1. Prinzipien der Anschlussbildung beim Einbau von Fenstern

Einstiegseite   1.1 Vorbemerkung
1.2 Wärmeschutz  1.3 Winddichtigkeit
1.4 Schallschutz  1.5 Tauwasserschutz
1.6 Schlagregenschutz  1.7 Brandschutz
1.8 Materialverträglichkeit  1.9 Wurzelfestigkeit
1.10 Temperaturbeständigkeit  1.11 Ausführung/ Wirtschaftlichkeit
1.12 Umweltverträglichkeit  1.13 Beanspruchungen durch Bewegungen

1.5 Tauwasserschutz

Insbesondere während der kälteren Jahreszeiten liegt der Wasserdampfgehalt der Raumluft erheblich über dem Wasserdampfgehalt der Außenluft. Die aus den Wasserdampfgehalten resultierenden Dampfdrücke sind stets bestrebt, sich auszugleichen. Die Folge hiervon ist, dass der Dampfdruckausgleich durch die Außenbauteile hindurch erfolgt (Dampfdiffusion). Die Durchlässigkeit der einzelnen Baustoffe wird durch die Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl (µ-Wert). gekennzeichnet. Sie drückt aus, um wie vielmal größer der Diffusionswiderstand eines Stoffes ist, als der einer gleich dicken Luftschicht.

 

In der kalten Jahreszeit trocknen Bauteile nicht nur langsamer aus, es besteht zusätzlich die Gefahr, dass sich Feuchtigkeit aus der Raumluft an Stellen ansammelt, an denen der Taupunkt unterschritten wird. Eine daraus folgende Durchfeuchtung führt zur Minderung des Wärmeschutzes, welche eine weitere beschleunigte Feuchteansammlung zur Folge haben kann. Die Folge sind Schimmel, Verrottung, Ausblühungen und Absprengungen. Um dies zu verhindern, sollten die einzelnen Baustoffe in Außenbauteilen so angeordnet werden, dass die Konstruktion über das Jahr gesehen mehr Feuchtigkeit abgeben kann, als sich möglicher Weise ansammelt.


Bei der Planung sollte daher folgendes beachtet werden:

  • Raumseitig soll ein dampfbremsendes Material verwendet werden, welches in der kalten Jahreszeit zuverlässig das Eindringen von Feuchtigkeit aus der Raumluft so weit verhindert, dass es zu keiner Akkumulation kommt.

 

Grundsatz: Höherer Wasserdampfdiffusionswiderstand als die Außenabdichtung.

  • Außenseitig ist ein Material zu verwenden, welches eine Austrocknung selbst in der kalten Jahreszeit nicht behindert. 

 

Grundsatz: Niedrigerer Diffusionswiderstand als Innenabdichtung.

 

  • Eine zusätzliche Austrocknung kann durch variable Diffusionswiderstände erreicht werden. Oben genannte Grundsätze sind nur auf die Situation "innen wärmer als außen" eingestellt. Über diese Situation hinaus treten jedoch eine Vielzahl von tages- und jahreszeitüblichen Temperaturschwankungen auf. Im Bauteil enthaltene Feuchtigkeit bewegt sich immer von der wärmeren zu kälteren Ebene des Bauteiles. Dort soll sie entweichen können, wenn sie die Abdichtebene erreicht. 

 

Grundsatz: Variabler Diffusionswiderstand passt sich der Feuchtewanderung im Bauteil an.

 

Folge: Materialien mit variablen Diffusionswiderständen sind sowohl innen als außen einsetzbar und bieten ein maximales Trockenpotenzial.

 

  • Um Bauteile bezüglich ihres Diffusionswiderstandes beurteilen zu können, wird in der DIN 4108-3, Juli 2001, folgende Einteilung getroffen: 
    • diffusionsoffene Schicht:
      Bauteile mit Sd ≤ 0,5 m
    • diffusionshemmende Schicht:
      Bauteile mit 0,5 m < Sd < 1.500 m
    • diffusionsdichte Schicht:
      Bauteile mit Sd ≥ 1.500 m
  • Weitere Hinweise sowie Anforderungen zur Vermeidung von Tauwasserbildungen sind der DIN 4108 Teil 3 zu entnehmen.

Um das Eindringen von Feuchtigkeit aus der Raumluft im Bereich der Fugenflanken zu verhindern, und um dennoch ins Bauteil eindringender oder vorhandener Feuchtigkeit die Möglichkeit zu geben, aus dem Bauteil zu entweichen, gilt der Grundsatz "innen dichter als außen". Dieser ist für die kritischste aller Temperatursituationen, die Wintersituation, in der es innen wärmer als außen ist, aufgestellt.

 

Betrachtet man die Gesamtheit einer Konstruktion, die Baupraxis und die thermodynamischen Prozesse, muss zu diesem einfachen Grundsatz folgendes ergänzt werden:

 

  • aufgrund der Diffusion über die Fugenflanken,
    aufgrund von Undichtheiten durch schlechte Untergründe,
    aufgrund von beim Einbau vorhandener Feuchtigkeit

treten häufig Schäden auf.

 

Dies zeigt, dass es sinnvoll ist, statt sich auf die perfekte hermetische Abriegelung eines Bauteils zu konzentrieren, die Erhöhung des Trockenpotenzials von Bauteilen anzustreben.

Grundsatz: Je höher das Trockenpotenzial einer Fuge, desto geringer die Schadenswahrscheinlichkeit.

 

Der Einsatz von Abdichtprodukten mit variablem Sd-Wert ermöglicht dies ohne weiteren Planungsaufwand.