1. Prinzipien der Anschlussbildung beim Einbau von Fenstern

1.1 Vorbemerkung

Fugen sind Räume zwischen angrenzenden Bauteilen, die zur Vermeidung von Zwängungskräften und/oder Erzielung eines passungsgerechten Zusammenfügens von Bauteilen angeordnet werden müssen. Die Fugen müssen Anforderungen erfüllen, wie sie auch an angrenzende Bauteile gestellt werden. Des Weiteren darf die Fugenkonstruktion die statischen und bauphysikalischen Eigenschaften der angrenzenden Bauteile nicht negativ beeinflussen. Demzufolge sind die Anforderungen, die an Fugenkonstruktionen gestellt werden, vielfältig.

Die wesentlichen Beanspruchungen von Fugen und deren Abdichtung sind in der folgenden übersicht (Bild 1) zusammengestellt. Diese Kriterien müssen bei der Konstruktion der Fugen ebenso berücksichtigt werden wie gestalterische und wirtschaftliche Aspekte. Die Nichtbeachtung auch nur eines Aspektes führt in der Regel zu einer mangelhaften Konstruktion.

Bei der Umsetzung der bauphysikalischen Gegebenheiten in prinzipielle Anforderungen sollte der konstruktive Aufbau der Anschlussfuge möglichst übersichtlich und für den ausführenden Handwerker erfassbar geplant und gestaltet werden. Voraussetzung für die Planung sowie die fachgerechte und mängelfreie Ausführung der Anschlussausbildung ist eine umfassende und exakte Aufnahme der Bausituation.


Diese muss sich auf folgende Bereiche erstrecken:

 

  • geometrische Ausbildung des Anschlussbereiches unter Berücksichtigung der Anschlagsart (siehe Bild 1), Sturzausbildung vorhandener Fensterbänke, vorhandener Rollladen bzw. Rollladenkästen, usw.
  • maßliche Ermittlung des Anschlussbereichs und der Toleranzen
  • Aufnahme der Bausituation in Hinsicht auf die vorhandenen Werkstoffe (Werkstoff und Zustand des anschließenden Baukörpers, Werkstoff und Zustand der Bekleidung wie Putz, Klinker usw.)
  • Aufnahme der vorhandenen Wandkonstruktion in Hinsicht auf bauphysikalische Ausbildung (siehe Bild 2)
  • Bauwerksbewegungen
  • Ermittlung der vorliegenden Belastung (siehe Bild 3), Windlasten, Schlagregenbeanspruchung, äußere zusätzliche Lasten, innere zusätzliche Beanspruchungen, Anforderungen an den Schallschutz
     

Bei der Planung und Ausführung der Anschlussbildung sollte die Anschlussfuge nach bisheriger Auffassung außen so dicht wie möglich abgeschlossen werden, damit kein Regenwasser in die Konstruktion eindringen kann. Jedoch zeigen Analysen von Schadensfällen der vergangenen Jahre, dass gerade diese Abdichtung mit einem hermetisch dichten Außenabschluss sehr problematisch sein kann, wenn nicht auch der raumseitige Abschluss ausreichend dicht ausgeführt ist. Aus bauphysikalischen Gründen muss die innere Abdichtung dichter sein als die äußere Abdichtung. Damit der Anschluss des Fensters an den Baukörper nicht zum Schwachpunkt in der Außenwand wird, müssen alle Einwirkungen beachtet werden. Die zahlreichen Anforderungen, die an die Fugenkonstruktion im Einzelnen gestellt werden, sind in der übersicht (Bild 2) dargestellt.

FugenbewegungWitterungChemikalienSonstiges
feuchtebedingte Bauteillängenänderung Schlagregen Luftschadstoffe Brandbelastung
temperaturbedingte Bauteillängenänderung Windkräfte Reinigungsmittel Außendämm
Verschiebungen infolge Bodenverformungen infrarote und ultraviolette Sonnenstrahlung Holzschutzmittel mechanische Zerstörunge
    Beschichtungen, Anstriche  

 

Bild 1: Beanspruchung von Fugen und deren Abdichtung

Anforderungen an die Fugenabdichtung:


1. Feuchtigkeit

  • Schlagregen
  • Wasserdampfdiffusion
  • Feuchtigkeitsmitführung

 2. Wind

3. Bauteilbewegung

4. Schall

5. Materialverträglichkeit

6. Temperaturbeständigkeit

7. Umweltverträglichkeit

BauphysikStatikAusführungWirtschaftlichkeit

Wärmeschutz

(EnEV) geringe U-Werte

Bewegungen

zwängungsfreie Aufnahme von Horizontal- und Vertikal-Ver-schiebungen benachbarter Bauteile

 

Witterung

Witterungs-unabhängige Ausführung von Fugen-abdichtung

geringe Gesamtkosten

 

 

Winddichtigkeit

(DIN 4108) geringe a-Werte

Kraftfluss

Übertragung von Normal- und Quer-kräften nach statischen Erfordernissen (z.B. Scheiben-bildung zur Windausstellung

Toleranzen

Aufnahme von Bauteil-abmaßen

 

hohe Lebenserwartung

 

Schallschutz

(DIN 4102) hohe Rw-Werte

   

geringe Wartungskosten

 

Feuchteschutz

(DIN 4108) dicht gegen Niederschlags-wasser; wasserdampf-durchlässig

     

Brandschutz

(DIN 4102) Anforderungen entsprechend Landesbauordnung

 

     

Bild 2: Anforderungen an Fugen